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Neue Hüfte, neues Knie – und keine Schonzeit

Unser Ziel ist es, dass die Patienten viel selbständiger werden und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. / Prof. Martin Dominkus

Endoprothetik

 

Es ist ein gutes Gefühl für alle Menschen mit Knie- oder Hüftproblemen zu wissen, dass Österreich ein Spitzenzeugnis bei Implantationen ausgestellt wird. Dies geht aus dem jüngsten Endoprothetik-Bericht des Gesundheitsministeriums hervor. Im obersten Spitzenbereich liegt Österreich (im OECD-Vergleich) auch, wenn es um die Häufigkeit der neuen Kniegelenke und Hüften geht. Rund 36.000 Operationen werden pro Jahr vorgenommen. Und Spitze ist auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten vor, während und nach einer Operation.

 

Je besser ein Patient vor der OP weiß, was auf ihn zukommt, umso weniger Angst hat er, umso schneller ist er wieder auf den Beinen und weniger lang im Spital“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Dominkus, Vorstand der II. Orthopädischen Abteilung im Orthopädischen Spital Speising, Wien, und betont: „Als Patient, der eine neue Hüfte oder ein neues Knie bekommt, sind Sie nicht krank. Sie erhalten lediglich einen Gelenksersatz, der Ihnen jene Aktivitäten wieder ermöglicht, die Ihnen sonst verwehrt geblieben wären“.

 

Vor allem geht es den Ärzten darum, dass der Operierte so rasch wie möglich wieder mobil, also bewegungsfähig ist. Das Stichwort heißt: Rapid Recovery, die Patientenschulung im Vorhinein. Über alle Schritte – vom Koffer packen zu Hause, über die OP-Vorbereitung bis zur anschließenden Mobilisierung – werden die Betroffenen informiert. In Speising findet diese Einschulung einmal in der Woche statt und ist für alle Patienten vor einer Operation verpflichtend. An einem halben Nachmittag klären Schwestern, Orthopäden, Anästhesisten, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten über die kommenden Schritte auf. Wer will, kann auch eine Vertrauensperson zur Schulung mitnehmen, die den Patienten in der Zeit nach dem Klinikaufenthalt gut unterstützen kann. Zudem erfolgt die Schulung in Gruppen, um sich auch mit anderen Patienten, die den gleichen Eingriff erhalten, austauschen zu können.

 

Am selben Tag aufstehen

 

Vor allem die modernen Operationsmethoden, gepaart mit einer erstklassigen Versorgungsmedizin machen es heute möglich, dass man im Anschluss an eine Knie- oder Hüftgelenksersatz-Operation innerhalb weniger Tage wieder aktiv und mobil sein kann und möglichst rasch seinen Alltagsaktivitäten, Hobbys sowie seinem sportlichen Engagement nachgehen kann.

 

Mehr als 1600 Operationen an Knie und Hüfte führt das Ärzteteam um und mit Prof. Dominkus im Jahr durch. Ziel ist die Minimalinvasiv-Operation. Minimalinvasiv bedeutet für den Patienten am selben Tag aufzustehen. 80 % tun das auch. Zusätzlich trägt eine vorbeugende Schmerz- Es ist ein gutes Gefühl für alle Menschen mit Knie- oder Hüftproblemen zu wissen, dass Österreich ein Spitzenzeugnis bei Implantationen ausgestellt wird. Dies geht aus dem jüngsten Endoprothetik-Bericht des Gesundheitsministeriums hervor. Im obersten Spitzenbereich liegt Österreich (im OECD-Vergleich) auch, wenn es um die Häufigkeit der neuen Kniegelenke und Hüften geht. Rund 36.000 Operationen werden pro Jahr vorgenommen. Und Spitze ist auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten vor, während und nach einer Operation. therapie mit dazu bei, rascher wieder auf die Beine zu kommen. Als psychologisch besonders wichtig gilt es, dass man sein Knie sofort abbiegen kann. Das Selbstvertrauen, ich kann alles wieder bewegen, das Bein funktioniert wieder, verringert die Angst vor möglichen Schmerzen.

 

Patient von Anfang an schlauchlos

 

Keine Stützstrümpfe, keine Schläuche, kein Katheter, keine Blutkonserven. „Im Idealfall ist der Patient auch von Anfang an schlauchlos“, betont Prof. Dominkus. Gegen die Schmerzen wird bereits während der Operation eine hoch effiziente Maßnahme zur Schmerztherapie (LIA) eingesetzt. Oft kommt der Patient am Tag der Operation ins Krankenhaus – nachdem er bereits Tage vorher an der Schulung teilgenommen und alle erforderlichen Befunde ambulant erledigt hat. „Wir wollen die Bettzeit kurz halten“, so Dominkus. Gefahren wie Lungenembolie oder Thrombosen spielen dadurch keine Rolle mehr. Die Patienten wissen auch schon, wann sie nach Haus gehen können. In allen Abteilungen hängen Plakate mit dem Titel „Schritt für Schritt zur Selbständigkeit“, die dem Patienten genau beschreiben, auf welcher Therapiestufe er sich befindet und wie es morgen für ihn weitergehen wird.

 

„Unser Ziel ist es, dass die Patienten viel selbständiger werden und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen“, betont Prof. Dominkus. Denn von der landläufigen Kultur, man geht ins Spital, legt sich ins Bett und lässt sich behandeln, will man wegkommen.

 

Kein Alterslimit

 

Kein Alterslimit gibt für die neue Hüfte oder das neue Knie. Operiert wird, so lange ein Mensch von der Implantation profitieren kann, wenn er mobil ist und wenn seine Lebensqualität verbessert wird.

 

Auch für die Haltbarkeit der Prothesen gibt es kein Limit mehr. Verwendete man vor 30 Jahren noch Kunststoff, der einem Alterungsprozess unterlag, so sind die heute eingesetzten Materialien fast unbegrenzt haltbar. Es gibt nur zwei Ursachen für eine Lockerung eines künstlichen Gelenkersatzes, das sind Infektionen oder Brüche nach einem Sturz.

 

Ein spezielles Kapitel ist das Thema REHA. Jeder Operierte kann selbstentscheiden, ob er das braucht oder nicht. Dort wo es aus sozialen oder organisatorischen Gründen notwendig ist, versucht man seitens des Krankenhauses bereits im Vorfeld mit den Sozialarbeitern Kontakt aufzunehmen. Da das Knie nach einer Operation sehr schnell bis zu 90 Grad abbiegbar ist, man also voll mobil ist, rät der Orthopäde dazu, erst dann eine REHA zu absolvieren, wenn die Heilung abgeschlossen ist, um das Knie nicht zu überreizen.

 

Rechtzeitig zu OP anmelden

 

Die Nachfrage nach OPs im Speisinger Krankenhaus ist groß. Um die hohen Qualitätsstandards einhalten zu können, kommt es naturgemäß zu längeren Wartezeiten auf einen OP-Termin. Deshalb ist es ratsam, sich rechtzeitig anzumelden, und zwar mit einem Zeithorizont von ½ bis 1 Jahr. Wenn man das Gefühl hat, die Schmerzen gehen immer nur kurzfristig nach Infiltrationen oder mit Medikamenten weg, soll man sich bereits für eine OP anmelden. „Auf keinen Fall auf den Moment warten, bis man es vor Schmerzen nicht mehr aushält“, rät der Orthopäde.

 

Stolz ist Prof. Dominkus zu Recht darauf, dass das Orthopädische Spital Speising seit zwei Jahren als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zertifiziert ist. Das heißt, jeder Chirurg, der operiert, muss eine Mindestanzahl an OPs im Jahr durchführen. Eingeschult werden die jungen Ärzte ähnlich wie bei den Piloten: wenn einer das erste Mal allein hinter dem Steuer sitzt, ist er genauso gut, wie der routinierte Pilot. Sie werden immer wieder kontrolliert, mit den Effekt, dass fast jeder Arzt hier die gleiche Art zu operieren hat. Die Qualität ist bei allen Kollegen sehr, sehr hoch und auch auf diesem Gebiet in Österreich beispielgebend. Wichtig ist aber auch eine positive Einstellung des Patienten, das gesunde Akzeptieren des künstlichen Gelenks und die möglichst rasche Integration in den Körper.

 

Überlastung vermeiden

 

Und was kann man tun, um es möglichst gar nicht so weit kommen zu lassen? Prof. Dominkus: „Gesunde Lebensgestaltung, angepasster Sport ohne Überlastung, Wandern, Radfahren, Übergewicht vermeiden. Einmal im Jahr eine Gewalttour zu machen und sonst nichts, ist schlecht für die Gelenke“.

 

Maria Neisser


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