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Neue Chancen mit Anerkennung der Älteren


Wirtschaftsstandort, Sozialsystem und Sicherheit sind wichtige Seniorenthemen

 

Welche Wünsche haben Seniorinnen und Senioren an die neue Regierung? Diese Fragen stellte ab5zig der Präsidentin des Österreichischen und des Wiener Seniorenbundes in einem Exklusivinterview.

 

ab5zig: Frau Präsidentin Korosec, Sie haben in Ihrer Festrede anlässlich der 65-Jahr-Feier des Österreichischen Seniorenbundes in Wien die Themen Wirtschaftsstandort, Sozialsystem und Sicherheit als Schwerpunkte für eine künftige Regierungspolitik genannt. Warum sind Ihnen gerade diese Themenkreise so ein wichtiges Anliegen?

 

Korosec: Mir sind sie deshalb ein besonderes Anliegen, weil die Themen Wirtschaftsstandort, Sozialsystem und Sicherheit alle Seniorenthemen und gleichzeitig die Schwerpunkte der politischen Arbeit unserer Seniorenorganisation sind. Mit diesen Themenfeldern verbinden wir auch unsere Forderungen an die neue Regierung, denn es geht mir darum, für unsere Seniorinnen und Senioren die Verbesserung der Lebenssituation und der Stellung der älteren Menschen in unserer Gesellschaft zu erreichen. Das geht nur dann, wenn den neuen Chancen und den neuen politischen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen mit Offenheit und mit der Anerkennung der Älteren begegnet wird. Das muss ein wichtiger und aktiver Bestandteil der künftigen Regierungsprogrammes sein.

 

ab5zig: Was erwarten Sie sich von einer neuen Bundesregierung und wie wollen Sie erreichen, dass die Anliegen der Seniorinnen und Senioren umgesetzt werden?

 

Korosec: Überall ist spürbar und erkennbar, dass nach der Wahl eine politisch neue Zeit begonnen hat. Die Menschen sagen mir oft, dass sie das Gefühl haben, man merkt, dass Sebastian Kurz als klarer Wahlsieger, den Willen hat, mit vollem Engagement die Zukunft Österreichs neu und positiv zu gestalten. Das begann ja schon bei den Regierungsverhandlungen mit der FPÖ, die auf Augenhöhe mit einem finanziellen Kassasturz begonnen hatte. In fünf Kerngruppen und 25 Untergruppen wurden die Themen Staat und Gesellschaft, Ordnung und Heimatschutz, Soziales, Fairness und Neue Gerechtigkeit sowie der Standort Zukunft partnerschaftlich diskutiert. Und da ist es mir besonders wichtig zu betonen, dass wir als Seniorenorganisation uns selbstverständlich bei allen Themen tatkräftig einbringen. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt natürlich dem Gesundheits- und Pflegesystem und der bestmöglichen Versorgung im Alter.

 

ab5zig: Bleiben wir gleich beim Thema Beschäftigung für ältere Arbeitnehmer. Welche konkreten Forderungen werden Sie der neuen Regierung auf den Tisch legen?

 

Korosec: Zunächst einmal geht es darum, dass wir unserer Wirtschaft wieder Luft zum Atmen verschaffen. Dazu brauchen wir schlankere, finanziell leichtere und zukunftsfitte Organisationsformen sowie pfiffige Beschäftigungsprogramme. Vor allem auch für die älteren Arbeitnehmer. Wir haben ja derzeit ein kräftiges Wirtschaftswachstum und damit verbunden sinkende Arbeitslosigkeit. Bedauerlicherweise zeigt sich bei der Zahl der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch wenig Bewegung, ja die Zahl stagniert eher. Unser vorrangiges Ziel ist es, die Erwerbsquote älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiter zu erhöhen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass künftig bei öffentlichen Auftragsvergaben jene Firmen bevorzugt werden, die Ältere beschäftigen und Lehrlinge ausbilden. Außerdem müssen die Rahmenbedingungen und die Gesundheitsvorsorgemaßnahmen für eine altersgerechte Arbeitswelt weiter verbessert werden.

 

Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen einen längeren und gesünderen Verbleib im Arbeitsleben erreichen. Nur so können wir langfristig unser gesetzliches Pensionssystem sichern.

 

ab5zig: Welche konkreten Maßnahmen sollen im Bereich Sozialpolitik für die Seniorinnen und Senioren in Angriff genommen werden? Was erwarten sie sich da von der künftigen Bundesregierung?

 

Korosec: In diesem Bereich ist mir der Themenkomplex Pflege und Betreuung ein Herzensanliegen. Pflege ist viel mehr als Altenbetreuung. Pflege ist unsere Pflicht der Aufbaugeneration gegenüber. Und Pflege ist ein Zeichen liebvoller Anerkennung. Mehr als 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher wollen daheim statt im Heim gepflegt werden. Ich erwarte mir daher von der künftigen Bundesregierung ein Gesamtkonzept für Pflege und Gesundheit mit Finanzierung aus einer Hand. Und ich werde mich auch weiterhin intensiv dafür einsetzen, dass es eine bundesweite Vereinheitlichung von Qualitätsstandards im Bereich der Pflege gibt. Denn nur so wird es zufriedene Pflegebedürftige und auch ein zufriedenes Pflegepersonal geben.

 

Wichtig ist mir aber auch das Stimmrecht in den Organen der Sozialversicherung. Derzeit sind wir Seniorenvertreter zwar im Bereich Krankenversicherung vertreten, wir haben aber kein Stimmrecht und das obwohl die Pensionisten maßgebend zur Finanzierung beitragen. Das muss sich ändern!

 

ab5zig: Sie haben vor einiger Zeit den Rechtsanspruch auf Rehabilitation und Kuraufenthalt für alle Versicherten gefordert. Wird das auch im Forderungskatalog an die künftige Regierung enthalten sein?

 

Korosec: Ja, selbstverständlich. Wir wollen ja die Pflegebedürftigkeit und die Notwendigkeit von Heimaufenthalten von vorn herein vermeiden. Dazu können die Heilverfahren in professionell geführten Kuranstalten sehr gut beitragen. Daher muss im Rahmen einer Rehabilitations- Gesamtstrategie sichergestellt werden, dass für alle Seniorinnen und Senioren ein Rechtsanspruch auf Rehabilitation und Kuraufenthalt eingeführt wird.

 

ab5zig: Zum Schluss noch eine Frage zum Thema Sicherheit. Was kann oder muss getan werden, dass sich die älteren Menschen in unserem Land sicherer fühlen?

 

Korosec: Wir müssen bedenken, dass es den Seniorinnen und Senioren nicht nur um die objektive Sicherheit geht, sondern auch um das subjektive Sicherheitsgefühl. Mit General Karl Mahrer haben die Seniorinnen und Senioren künftig einen ausgewiesenen Sicherheitsexperten, der sich aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Polizeisicherheitsdienst gezielt um eine Verbesserung der Sicherheitssituation einsetzen wird. Er hat klar gesagt, dass er sich im Parlament für bessere Gesetze einsetzen wird, damit Österreich sicher bleibt.

 

Ich möchte aber noch ein Wort zum Thema Sicherheit sagen. Ich bekenne mich zu dem Grundsatz offene Herzen, ja, offene Grenzen, nein. Wer vor Gewalt fliehen muss und eine neue Heimat sucht, dem müssen wir helfen. Wer aber aus rein wirtschaftlichem Kalkül kommt, wer seine Gewaltkultur nach Österreich importieren möchte, der hat hier absolut nichts verloren.

 

Frau Präsidentin, wir danken für das Gespräch.


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