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Vera Russwurm im Gespräch: „Es kommt darauf an, gut zuzuhören“

Vera Russwurm braucht man nicht vorzustellen. Die vielen tausenden TV-Shows haben sie als kompetente, charmante und beliebte Moderatorin zu einer Marke im ORF gemacht. Sie erhielt unter anderem drei Mal den „Romy“-Preis als beliebteste Showmasterin und den New York TV Award für die „Beste Talkshow“. Die studierte Medizinerin ist dreifache Mutter und mit Peter Hofbauer, dem Fernsehproduzenten und Prinzipal vom Metropol, verheiratet.

 

In Ihrem Talk „Vera“ sprechen Sie mit prominenten und nicht prominenten Menschen mit außergewöhnlichen Lebenswegen. Wie sehr lassen Sie Lebensgeschichten, die eine Krise erzählen, an sich heran?

 

Russwurm: Wenn es um Geschichten mit Kindern geht, dann berührt mich das eigentlich am meisten. Ich muss aber dazu sagen, dass ich in meinen Talksendungen keinesfalls nur tragische Geschichten bringe, sondern durchaus auch lustige.

 

Warum heißt die Sendung „Vera“ und nicht mehr „Vera – Das kommt in den besten Familien vor“?

 

Alex Hofer, der Senderchef von ORF 2, hat das Talkformat wieder umgestellt auf „Vera“, damit wir uns thematisch breiter aufstellen können.

 

Worauf führen Sie den Erfolg Ihrer Sendungen zurück?

 

Ich glaube, der Erfolg meiner Talks hängt unmittelbar damit zusammen, dass es mich wirklich interessiert, was der Einzelne erlebt hat. Ich gehe auch immer sehr gut vorbereitet in das Gespräch und weiß im Vorhinein, wohin der Weg dieser Talks gehen soll. Das heißt, ich habe im Hinterkopf bereits eine Idee. Es macht einen großen Unterschied, ob man bei einer Frage bereits in Gedanken bei der nächsten ist, wie etwa bei einem Interview. Meine Sendungen sind Talks, also Gespräche – und keine Interviews. Da kommt es vor allem darauf an, gut zuzuhören und auf den Gesprächspartner einzugehen. Und das kann ich wirklich, weil es mich interessiert, was mein Gegenüber erzählt. Dadurch öffnet er sich leichter.

 

Ihr Lebenslauf liest sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte. Sie sind Medizinerin und haben eine beispiellose TV-Karriere hingelegt. Welche würden Sie als Ihre persönlichen Highlights bezeichnen?

 

Von den tausenden Sendungen – ich habe sie nie gezählt – fällt mir spontan die „Vera-Millennium-Show“ ein. Wir haben in dieser Sendung zum 2000er-Jahreswechsel versucht, die unfassbare Entwicklung der letzten 100 Jahre darzustellen. Wir hatten Gäste wie Buzz Aldrin, den zweiten Menschen auf dem Mond, und Christiaan Barnard, der die erste Herztransplantation durchgeführt hat. Wir hatten unglaubliche Kombinationen an Gästen wie Otto Habsburg, den Sohn des letzten Kaisers, und einem Webcam- Girl oder einen Mann und eine Frau, die drei Jahrhunderte erlebten, also im 19. Jahrhundert geboren wurden, das 20. Jahrhundert erlebt hatten und zu jener Zeit am Beginn ins 21. Jahrhundert standen. Diese Gestern–heute– morgen-Show war für mich ein echtes Highlight unter allen meinen Sendungen.

 

Wie ist es Ihnen gelungen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

 

Geprägt ist die Zeit der Kindererziehung von zu wenig Schlaf! Was mir jedoch in dieser relativ kurzen Zeit, als meine drei Kinder noch klein waren, geholfen hat, war eine sehr ausgeklügelte Organisation. Das heißt, ich war sehr, sehr gut durchorganisiert. Im Wissen, dass die wunderbare Zeit mit meinen Kindern nicht ewig dauert, war es mir wichtig, greifbar und da zu sein, wenn sie einmal reden wollten. Auch wenn sie einmal in der Pubertät sind, wo die Kinder beschließen, eigene Wege zu gehen. In all dieser Zeit war ich auch abends privat kaum unterwegs. Heute, wo meine Kinder erwachsen sind, bin ich viel öfter gemeinsam mit meinem Mann oder Freundinnen unterwegs und das genieße ich sehr.

 

Sie sind seit 35 Jahren im TV-Geschäft, in dem Sie mit zahlreichen Ideen und Initiativen mit zum Erfolg beigetragen haben. Was tun Sie für sich, um sich rundum fit zu halten?

 

Mir ist Bewegung ein Bedürfnis. Das hat viel damit zu tun, dass meine Eltern, meinen Bruder und mich bereits im Volksschulalter für viele Sportarten begeisterten. Zudem habe ich das Glück, gute Gene zu haben. Ich gehe zu keiner Kosmetik, gönne mir aber ab und zu ein Wellnesswochenende. Auf eine Sache lege ich allerdings besonderen Wert, das ist gutes Abschminken. Ich bin ja so viele Jahre, vor allem vor den Sendungen, geschminkt worden. Da ist intensives Abschminken, bis keine Reste mehr auf der Haut sind, wahnsinnig wichtig. Und viel Bewegung im Freien. Ich habe mich auch nie viel in die Sonne gelegt und verwende im Süden einen hohen Sonnenschutzfaktor.

 

Haben Sie es jemals bereut, den Arztberuf nicht ausgeübt zu haben?

 

Das habe ich nie bereut. Meine Mutter war Zahnärztin und ich hätte die Möglichkeit gehabt, in ihre Praxis einzusteigen. Aber da hatte mich der mediale Bazillus schon längst erwischt.


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