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Pflege braucht Geduld. Und auch den Roboter?

Foto: Fotolia.com
Wir wollen das Bestmögliche für die Pflegebedürftigen erreichen. / Andreas Klein Foto: Businessfoto Wien/Lars Ternes

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Mehr ältere und alte Menschen bedeutet auch mehr Pflegebedürftige und damit große Herausforderungen an die stark steigenden Pflegeleistungen. Experten sehen in der Digitalisierung der Pflegeleistungen den künftigen Weg. Für die Pflegebedürftigen und deren Angehörige hingegen stellt sich die Grundsatzfrage: Betreuung stationär oder zu Hause. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die bestmögliche Betreuungs- und Pflegeform auch finanziell erschwinglich ist und nicht zur Kostenfalle wird. Und, dass die Qualität stimmt.

 

Der demografische Wandel wird die Pflegelandschaft in Österreich stark verändern. Laut Wirtschaftskammer (WKO) steigt die Lebenserwartung durchschnittlich um 2 Prozent pro Jahr und liegt derzeit bei Frauen bei rund 83 Jahren und bei Männern bei 77,7 Jahren. Dieser Trend ist in ganz Europa zu beobachten. Für 2080 wird sogar erwartet, dass in der EU der Anteil der über 65- jährigen rund 28,7 Prozent betragen wird (2015 waren es 18,9 Prozent).

 

Dozent Dr. Andreas Klein, Evangelischer Theologe und Ethiker, ist überzeugt, dass sich die steigenden Anforderungen an die Pflegeleistungen auch in Form von mehr Digitalisierung bewältigen lassen. Freilich muss die Qualität der Pflegeleistungen auch humanistische Werte miteinbeziehen. Michaela Szkiba MAS, die seit 15 Jahren in der Hauskrankenpflege tätig ist, bringt es auf den Punkt: „Das Pflegeverständnis muss im Kopf der Pflegenden verankert sein“. Und Dozent Klein sieht in der Geduld den wichtigsten Faktor in der Pflege: „Wir brauchen viel Training, um Geduld zu lehren und lernen. Geduld kann man lernen. Sie ist eine Tugend, wie Aristoteles sagte“.

 

Spricht man Michaela Szkiba darauf an, wo es ihrer Erfahrung nach am meisten in der Pflege mangelt, dann kommt ihre Antwort rasch und präzise: „An Zeit“. In den neuen Ausbildungsformen für gehobenen Dienst, Pflegeassistenten und Hilfspersonal, die in Österreich nun angeboten werden, sieht sie einen guten Ansatz. Denn, so ist Michaela Szkiba überzeugt, das Thema Pflege beinhaltet viel mehr, als die klassischen Tätigkeiten am Menschen, wie waschen und füttern. Pflege eines Menschen bedeutet Kommunikation in Form von präventiver Beratung auch der Angehörigen, Palliativcare und vieles mehr. „Wichtig ist, was man daraus macht“, lobt Szkiba die neuen Ausbildungsformen.

 

Vorbeugen und vermeiden als oberstes Prinzip

Die steigenden Pflegeleistungen erfordern vor allem aber auch Veränderungen und Verschiebungen in der Ausbildung des Pflegepersonals. Die Ausbildung, so Dozent Klein, muss sich dem digitalen Wandel stellen: „Wir wollen das Bestmögliche für die Pflegebedürftigen erreichen“. Die neuen Technologien in Form von Sensorik gewinnen immer mehr an Bedeutung. Entscheidend ist, dass dieser Weg zur Nutzerfreundlichkeit für Pflegebedürftige und Pflegepersonal von vier ethischen Prinzipien getragen wird, meint Klein. Das sind 1. die Autonomie im Sinne von Selbstbestimmung, 2. das Nichtschadensprinzip im Sinne von Schaden vermeiden und vorbeugen, 3. das Wohlfürsorgeprinzip sowie 4. die Gerechtigkeit im Sinne gerechter Verteilung von stets knappen Ressourcen. „Wenn wir die ersten drei Prinzipien verbessern, steigern wir die Selbstbestimmung“, meint Klein und sieht in der Sensorik und Robotik wie etwa in Sturz- oder Gehstocksensoren – ein ganz wesentliches Entwicklungstool für eine verbesserte Selbstbestimmung des hilfebedürftigen Menschen.

 

Der Kuschelroboter als ein Erfolgsrezept

Wird sich also der Roboter als Pflegeassistent durchsetzen? Pflegeroboter gelten als eine Möglichkeit, um mit dem zu erwarteten Fachkräftemangel im Pflegebereich umzugehen. Noch gibt es viele Ängste, die die Menschen in Robotern sehen. Aber es gibt auch viele Vorteile. Eine alte Frau, die von einem Pflegeroboter geduscht wird, kann diesen eventuell besser akzeptierten, als die Pflegerin. Warum? Weil das Schamgefühl wegfällt.

 

Der bekannteste Roboter in der Altenpflege ist der robbenförmige Kuschelroboter Paro, mit Fell, Augen und Wimpern.

Er kann Namen lernen, grüßen, streicheln und sagt, wenn er zu stark angefasst wird. Es gibt bereits Erfahrungen, dass Demenzkranke bei der Fellberührung emotional auftauen. Ein Pflegeroboter, so die Experten, darf die Pflegekräfte auf keinen Fall ersetzen, sondern nur unterstützen. „Die Betreuung mit Hirn und Herz, das ist unsere Grundkompetenz und nicht die des Roboters“, betont Dozent Klein.

 

Die Qualität muss stimmen

Ein Großteil der älteren Menschen, die eine Pflege in Anspruch nehmen müssen, will lieber zu Hause bleiben und nicht in eine Pflegeeinrichtung ziehen. Daher ist die 24h-Pflege zu Hause ein besonders wichtiger Bestandteil des Pflegesystems. „Wir wollen und müssen die Qualität sichern und für die Pflegebedürftigen und das Betreuungspersonal bestmögliche Rahmenbedingungen garantieren“, betont Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec die Notwendigkeit von qualitativ hochwertiger Pflege.

 

Um die Qualität zu steigern und zu sichern, sind vor allem eine österreichweite einheitliche Berechnungsmethode in Bezug auf das Pflegepersonal, ein transparenterer Personalschlüssel sowie Maßnahmen, die den Pflegeberuf in der Öffentlichkeit attraktiver machen, notwendig. Außerdem bedarf es Kontrollen der Vermittlungsagenturen. Zur jüngsten Empfehlung des Rechnungshofes, das Qualitätssicherungssystem auszuweiten, meint Korosec: „Das halte ich für eine wichtige Forderung. Ich begrüße, dass die langjährigen Forderungen des Österreichischen Seniorenbundes zum Pflegesystem endlich breit diskutiert werden“.


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